Zimtsternzauber: Tag 10

Ex-Freundinnen bringen nichts als Ärger

Cedrik

Vanessa hat sich verändert. Ihre blonden Haare trägt sie etwas kürzer, ihr Gesicht ist kantiger geworden und wie sie mir so gegenübersitzt, ihre Finger verhakt, ihr Blick unruhig, wirkt sie nervös.
»Was willst du von mir?«, wiederhole ich die Frage, die ich ihr vor einer halben Stunde bereits gestellt habe. Und die sie mir bis jetzt nicht beantwortet hat.
»Ich bin in der Stadt und da dachte ich, …«
»Nein, das meine ich nicht«, unterbreche ich sie genervt.
Wir sitzen in einem kleinen italienischen Restaurant am Rande der Stadt. Die Atmosphäre ist gemütlich, das Licht ist gedimmt und die wenigen Tische sind nicht alle besetzt. Es ist Sonntagabend und obwohl ich wichtigeres zu tun habe, wie beispielsweise eine Präsentation für die Nero Investment Group vorzubereiten, sitze ich seit bald fünfundvierzig Minuten hier und weiß immer noch nicht, was zur Hölle sie von mir will.
»Warum wolltest du dich mit mir treffen? Warum jetzt, nach vier Jahren? Was versprichst du dir davon?« Die Fragen brechen aus mir heraus und zeugen davon, wie aufgewühlt ich innerlich bin. Denn seit ich ihre Nachricht bekommen habe, sind meine Gefühle außer Kontrolle. Vanessa war die Frau, die ich heiraten wollte. Mit der ich alt werden wollte. Und die mich – aus heiterem Himmel – abgeschossen hat. Für einen Job in den Staaten und irgendeinen Kerl, den sie von ihrer Modelagentur kannte.
»Ich habe über uns nachgedacht, Cedrik«, beginnt sie und stockt. Sie sieht mich an, lächelt und in ihren Augen glimmt etwas Vertrautes auf. Diese verdammte Funkeln, das mich an früher erinnert, als wir noch glücklich waren und sie mich jeden Tag so angesehen hat.
»Wir hatten eine gute Zeit zusammen. Du hast mich verstanden, mich unterstützt. Wir haben viel gelacht, haben verrückte Dinge getan. Oh Gott, weißt du noch die Sache in dem Schwimmbad?« Sie lacht, klingt jünger, als sie ist.
Ich bleibe ernst, aber ich merke, wie ich nervös werde. In meinem Kopf entsteht ein Bild, schemenhaft, diffus, aber das Gefühl, das es auslöst, ist berauschend. Mein Leben mit Vanessa war perfekt. Alles hatte sich gefügt, meine Arbeit, meine Freunde, selbst mein Vater. Sie war die perfekte Frau an meiner Seite. Könnte sie es wieder sein?
»Ohne dich wäre ich nie Model geworden«, fährt sie lächelnd fort. »Daher will ich jetzt …«
»Jetzt willst du mich wiederhaben«, fasse ich zusammen und eine wahre Explosion an Selbstbestätigung berst durch mich hindurch. Ich wusste es doch, ohne mich kann sie einfach nicht.
Vanessas Augen werden groß, schauen mich ungläubig an. »Auf gar keinen Fall!«
Fuck, was?
Sie schüttelt energisch ihren Kopf. »Nein, Cedrik, ich … ich heirate in zwei Wochen. Aus diesem Grund bin ich auch in der Stadt.«
Ich starre sie an. Begreife einfach nicht, was sie sagt. »Aber warum wolltest du dich dann mit mir treffen?«
Meine Euphorie bricht zusammen, hinterlässt ein Trümmerfeld aus Erinnerungen und altem Glück. Nach Vanessas Trennung bin ich zusammengebrochen, war nur noch ein dunklen Schatten meiner selbst. Oder wurde vielmehr zu dem Schatten, wenn man den Frauen, die mich in den Wochen danach ablenkten, glauben darf. Max hat mich in eine Hölle geführt, aus Frauen, Alkohol und Vergessen. Als ich irgendwann wieder zu mir gekommen bin, habe ich mir geschworen, keine Frau mehr so nahe an mich heranzulassen. Niemals wieder würde ich zulassen, dass mir eine Frau mehr bedeutete, als ich mir selbst.
»Ich wollte dir erklären, warum ich mich damals getrennt habe.«
»Du willst dein Gewissen erleichtern, bevor du vor Gott den Bund der Ehe schließt?« Meine Stimme trieft von Zynismus und Hohn. Vanessa war viel, aber eine Heilige war sie ganz sicher nicht.
Ihre perfekt gezupften Augenbrauen fahren erbost zusammen und jetzt erinnert sie mich wieder an die Frau, die mich an jenem beschissenen letzten Abend mit gepackten Koffern sitzen gelassen hat. »Sei nicht so ein Arschloch, Cedrik! Das steht dir nicht.«
»Du hast mich betrogen, Vanessa. Du hast einen andern Mann gefickt, hinter meinem Rücken! Was genau erwartest du von mir? Dankbarkeit?!« Oh, sie hat keine Ahnung, was mir alles steht. Vor vier Jahren war ich ein anderer, bevor sie mich zerstört hat.
»Ich war verdammt alleine, Cedrik!« Ihre rechte Hand greift nach der weißen Stoffserviette auf dem Tisch und krallt sich daran fest. »Ja, du hast mich unterstützt. Du wusstest, was gut für meine Karriere ist. Aber das alles hat vor allem dir in die Karten gespielt. Ich war die perfekte Frau an deiner Seite, das Model, das sonst niemand deiner Freunde hatte. Mit mir konntest du angeben, mich konntest du präsentieren. Aber mich hat das alles kaputt gemacht. Du hast mich nicht an dich herangelassen, nicht an einem verdammten Tag in den ganzen fünf Jahren. Du hast dich hinter eine Mauer aus Ehrgeiz und Erfolg versteckt, hast mir so gut wie nie gezeigt, was du wirklich fühlst.«
»Das ist nicht wahr.« Wut kribbelt in meinem Nacken, denn ihre Worte machen mich rasend. Sie klingt, als wäre ich daran schuld, dass sie mich verlassen hat. Ich bin nicht fremdgegangen, ich bin nicht in die USA abgehauen. Ich bin danach zusammengebrochen, auf der Suche nach den zertretenen Resten meines Egos.
»Doch, das ist es.« Sie sieht mir direkt in die Augen. Bitterschokolade, mit karamellfarbenen Sprenkeln. »Du hast mir nicht ein einziges Mal gesagt, dass du mich liebst.«
Ich beiße meine Zähne so fest zusammen, dass mein Kiefer knackt. Meine Wut wird zu einem unbändigen Sturm und ich stehe kurz davor auf den Tisch zu hauen und sie anzuschreiben. Die Tatsache, dass etwas fünfzehn Menschen mit uns in diesem Restaurant sitzen, hält mich davon ab.
»Natürlich habe ich dich geliebt«, sage ich schließlich gepresst, aber meine Stimme zittert vor Wut.
»Bist du sicher?« Vanessa klingt müde, erschöpft. »Ich bin hier, weil ich dir sagen will, dass du dich öffnen musst, Cedrik. Du musst zulassen, dass dir jemand nahe kommt, sonst wirst du den Rest deines Lebens alleine bleiben.« Sie winkt einem Kellner, gibt ihm durch eine Geste zu verstehen, dass sie bezahlen will. »Ich weiß, dass ich vor vier Jahren Mist gebaut habe. Aber ich mag dich, Cedrik, ich verdanke dir verdammt viel. Deshalb wollte ich dich sehen. Um dir zu sagen, dass auch für dich dort draußen die Richtige wartet. Aber dafür musst du auch etwas tun.«

 

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