Zimtsternzauber: Tag 24

Zimtsternzauber oder ein Schneesturm im Sommer

Cedrik

Es ist Weihnachten. Ein Tag wie jeder andere und doch etwas besonderes. Für all die Kinder, die heute mit glänzenden Augen auf das Christkind warten, für all die Erwachsenen, die gestresst vom ganzen Jahr heute Abend endlich zur Ruhe kommen. Und zum ersten Mal seit Langem ist dieser Tag auch etwas besonderes für mich.
Schneeflocken tanzen vor dem Fenster. Durch halb geschlossene Augen verfolge ich ihr anmutiges Spiel, genieße die Stille um mich herum und lasse mich fallen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so ruhig war. So zufrieden, so glücklich. Hätte mich jemand vor vierundzwanzig Tagen gefragt, wo ich wohl an Weihnachten dieses Jahr aufwache, auf Zoes Kinderzimmer wäre ich im Traum nicht gekommen.
Ein leises Seufzen lässt mich schmunzeln. Ich drehe meinen Kopf und beobachte, wie Zoe die Nase rümpft. Ihre Lider flattern, sie wacht auf. Ihr Gesicht ist selbst im Winter von Sommersprossen bedeckt, und ich kann mich nicht bremsen und hauche ihr einen Kuss auf die Nasenspitze. Sie schaut mich an und ich erkenne Unsicherheit in ihrem Blick. Es ist nicht der erste Tag, an dem wir gemeinsam in einem Bett aufwachen, aber es ist ganz sicher der erste Morgen mit rosa Pferdebettwäsche.
»Guten Morgen«, grinse ich sie vergnügt an und das warme Gefühl in meinem Bauch beginnt zu kribbeln. Und das verlangende Ziehen in meinem Unterleib, weil sie verdammte Kacke nackt neben mir liegt!
Zoe grummelt irgendetwas Unverständliches. Sie dreht sich auf die Seite, lässt mich dabei jedoch keinen Moment aus den Augen. So als könnte sie immer noch nicht glauben, dass ich tatsächlich neben ihr liege. Kann ich auch nicht, wenn ich mir die Porzellanfiguren auf dem Fenstersims betrachte, die vor Kitsch nur so strotzen. Meinen Schwanz interessiert das allerdings recht wenig, der schreit trotz des unerotischen Firlefanz nach Aufmerksamkeit.
»Was ist das zwischen uns?« In ihrer Frage schwingt ihre ganze Unsicherheit mit und am Liebsten würde ich laut aufstöhnen. Frauen! Immer müssen sie allen analysieren, kategorisieren und benennen. Kann man den Dingen nicht ab und zu einfach ihren Lauf lassen? Und vögeln?
»Ist das wichtig?«, frage ich daher und lasse meine Hand unter ihre Bettdecke gleiten. Also genau genommen ist es auch meine, denn wir haben uns heute Nacht um Wendy buchstäblich gekloppt. Doch da sie die Decke irgendwann für sich entschieden hat, liege ich jetzt splitternackt, unbedeckt und offensichtlich angeturnt neben ihr.
»Ja, ist es.«
Unbeirrt setze ich meinen Weg fort, finde ihren warmen Bauch, fahre zu ihrer Taille und ziehe sie mit einem Ruck an mich heran. Mein steinharter Schwanz drückt sich an ihren Körper und das Verlangen rast wie Feuer durch meine Adern. Oh Baby, du willst jetzt nicht ernsthaft reden, oder?
»Mmh … dann lass mal sehen, was das zwischen uns ist«, raune ich ihr leise zu, während ich spielerisch mit den Fingern ihren Körper hinaufgleiten. Zoe zischt, als ich ihre Brüste berühre und ihre Brustwarzen unter meiner Liebkosung hart werden.
Mein Mund verzieht sich zu einem boshaften Grinsen. »Im Moment ist da eine überflüssige Decke zwischen uns.« Mit einem Ruck ziehe ich sie ihr von den Schultern, so dass sie ebenso nackt wie ich vor mir liegt.
Zoe keucht empört auf und ich nutze den Moment und schmiege meinen Kopf in ihre Halsbeuge. Ihr Duft nach Zimt hüllt mich ein und vernebelt mein Gehirn. Meine Hände fahren wie von selbst über ihren nackten, warmen Körper und ich merke deutlich, wie ihr Widerstand dahinschmilzt. Lächelnd schließe ich die Augen, folge mit meinem Mund einer unsichtbaren Spur ihren Hals hinauf, spüre ihren aufgeregten Puls an meinen Lippen.
Ein leises Stöhnen durchdring die Stille, als Zoe ihren Kopf hebt und ihre Lippen verzweifelt auf meine drückt. Ich lache amüsiert in ihren Mund, weil ich sie sowas von im Griff habe und erwidere ihren Kuss mich absichtlicher Zurückhaltung. Zoe ächzt frustriert, schiebt ihre Zunge in meinen Mund und krallt ihre Hände in meinen Rücken. Heißes Verlangen explodiert in meiner Mitte. Oh scheiße, ja, Baby!
Mit einer einzigen Bewegung bin ich über ihr und drücke sie in die Kissen. Dunkelgrüne Augen funkeln mich an, sprühen förmlich vor Liebe und Leidenschaft. Gestern Nacht war es dunkel, jetzt am helllichten Morgen erkenne ich umso deutlicher, was ich seit langem bereits weiß. Zoe ist in mich verliebt.
Ich halte inne, sehe sie nur an. Mein Körper liegt nackt auf ihrem, hart und bereit, sie sofort zu nehmen. Zoes Atem geht hektisch und heißes Verlangen schlägt mir entgegen. Aber da ist etwas, was ich ihr sagen muss. Bevor ich sie vögle und alle anderen Gedanke auslösche. Da ist diese eine Sache, die all das zwischen uns endgültig macht.
Zoe bewegt ihre Hüfte, ihre feuchte Mitte trifft meinen harten Schwanz und ein gequältes Keuchen entfährt mir. Jetzt oder nie.
»Ich bin in dich verliebt, Zoe.«
Oh man, habe ich das echt gesagt?
Ihre Augen werden kugelrund, während ich mich mit einem einzigen harten Stoß in sie stoße. Und sie hoffentlich vergessen lasse, was ich eben gesagt habe. Aber Zoe hebt ihre Hand, legt sie an meine Wange. Dann öffnet sie ihre Lippen, flüstert ein paar Silben, aber ich verschließe ihren Mund mit einem Kuss. Ich brauche ihre Antwort nicht hören, denn ich weiß bereits alles, was ich will.
Ein Klopfen an der Tür lässt uns zusammenfahren.
»Zoe?«
Ich halte inne, mein Schwanz pulsiert in ihrer Mitte, aber ich bin unfähig mich auch nur einen Zentimeter zu bewegen.
»Zoe, bist du da? Wir wollen gleich in den Gottesdienst gehen und ich wollte fragen, ob du nicht mitkommen möchtest?«
Fuck! Ernsthaft?
Zoe sieht mich panisch an. Und ich sehe ebenso panisch zurück.
»Ja, Mama. Ich … ich komme gleich.«
Mir entfährt ein Fluch. Wohl kaum! Sie liegt immer noch nackt unter mir, und ich will das jetzt verdammt noch einmal zu Ende bringen. Aber mein Schwanz realisiert sehr schnell, dass das wohl nichts mehr wird.
»Warum zur Hölle wohnst du noch bei deinen Eltern?« Meine ganze Frustration bricht sich ihre Bahn, während ich mich schwungvoll neben sie zurück auf das Bett werfe.
»Du weißt, warum. Oliver. Aber in drei Wochen ziehe ich in eine eigene Wohnung neben Tinas Apartment.« Sie zuckt bedauernd mit den Schultern, lächelt mich entschuldigend an. »Hast du Lust auf Frühstück?«

***

Wir frühstücken zum Glück nicht bei ihren Eltern. Das hätte mir auch wirklich den Rest gegeben. Stattdessen hat mich Zoe in ein kleines Café um die Ecke eingeladen, das trotz der anbrechenden Weihnachtsfeiertage geöffnet hat. Hier sitzen wir nun bei Kaffee und Croissants und Zimtsternen, die in einer hölzernen Schale mitten auf dem Tisch stehen. Ich muss über die Ironie beinahe lachen, denn dieser verdammte Zimtgeruch verfolgt mich jetzt, seit ich Zoe wieder getroffen habe.
»Warum hast du gekündigt?« Zoe nippt an ihrem Latte macchiato und schaut mich erwartungsvoll an. Ich seufze innerlich. Der schöne Teil des Morgens liegt hinter uns, jetzt muss ich wirklich reden. Und dabei hatten wir noch nicht einmal richtigen Sex.
»Ich habe mir meinem Vater gesprochen. Über unsere Erkenntnisse über die Nero Investment Group, über ihre Machenschaften, den Start-ups das Geld aus der Tasche zu ziehen.«
»Und was hat er gesagt?«
»Er …« Gibt mir die Schuld daran. Aber das kann ich nicht aussprechen, auch weil es nur zum Teil der Wahrheit entspricht. »Er meinte, der Agentur ginge es finanziell nicht besonders gut, und dass dies der einzige Weg gewesen wäre, sie zu retten.«
»Das kann nicht sein Ernst sein!« Zoe starrt mich fassungslos an. Sie kennt meinen Vater nicht, ihm war das bitterernst. Die Firma steht über allem. Über ihm, der Familie, über jedem anderen Menschen, der ihn davon abhält erfolgreich zu sein. Das war schon immer so. Und daran werde ich auch nichts ändern.
»Was tun wir jetzt?«, fragt Zoe, als ich nichts sage.
Ich nippe an meinem Espresso, bevor ich ihr antworte. Auch, weil ich einen Moment Zeit brauche, um meine Gedanken zu sortieren. »Ich habe mit Max gesprochen. Er hat Einblicke in die Finanzen und ist dabei herauszubekommen, wie viel Geld mein Vater tatsächlich mit der Nero Investment Group verdient hat. Es gehört uns nicht, daher werden wir es zurückgeben.«
»Aber die Group wird weitermachen!«, braust Zoe auf und rote Flecken bilden ich auf ihren Wangen, weil sie sich so aufregt. Sie bringen mich zum Schmunzeln und wieder breitet sich dieses wohlig warme Gefühl in meinem Bauch aus. Zoe ist impulsiv, wütend und stur. Und ich frage mich einmal mehr, wie so ein Vollidiot wie Oliver sie so lange an sich binden konnte.
»Nein, wird sie nicht. Ich habe Jordan kontaktiert, aber er hat über meine Drohungen zur Polizei zu gehen nur gelacht. Es wäre nichts Illegales an der Sache, meint er. Also fliege ich nächste Woche nochmal nach New York. Ich werde Julia treffen und Jeff. Wir überlegen uns etwas, und gemeinsam werden wir dem ein Ende machen.«
»Ich komme mit!« Davon werde ich sie auch nur schwer abhalten können.
»Das dachte ich mir«, entgegne ich lächelnd. »Außerdem schulde ich dir noch einen Besuch auf dem Empire State Building, das ging bei unserem letzten Trip leider … unter.«
»Du hast dich stattdessen betrunken«, stellt Zoe fest und funkelt mich zornig an. Aber ihre Mundwinkel zucken verräterisch. Sie trinkt noch einen Schluck aus ihrem Kaffee und kaut anschließend nachdenklich auf ihrer Unterlippe. Fuck, wenn sie das weiterhin tut, können wir unser Gespräch vergessen und ich zerre sie zurück ins Bett. In mein Bett, wohlgemerkt, wo uns keine Mutter mehr stört!
»Hast du deshalb gekündigt?«, kommt Zoe auf ihre eigentliche Frage zurück. »Weil dein Vater mit drin steckt und du gegen ihn ermitteln wirst?«
Ich atme tief durch. Jetzt kommt der schwere Part. »Nein. Ich habe gekündigt, weil ich endlich etwas alleine schaffen muss. Du hattest recht mit dem, was du im Aufzug zu mir gesagt hast. Ich verstecke mich hinter meinem Vater. Und irgendwie auch hinter meinem Bruder. Ich war zornig auf die ganze Welt, daher muss ich endlich meinen eigenen Weg gehen.«
»Mmh.« Sie greift nach meiner Hand, die locker auf dem Tisch zwischen uns liegt, und fährt sanft mit ihrem Daumen darüber.
»Und was ist das zwischen uns, Cedrik?« Ihre Frage von heute Morgen.
»Ich weiß es nicht«, antworte ich ihr ehrlich. Und dann zwinge ich mich die Worte noch einmal auszusprechen, vor denen ich so große Angst habe. Weil sie es verdient hat. Weil es die Wahrheit ist. Und ja verdammt, auch weil heute Weihnachten ist, und ich wenigstens ein gutes Geschenk heute machen möchte. Für sie. Für mich. Für uns. »Ich habe mich in dich verliebt, Zoe. Weil ich dich brauche. Nicht für die Firma oder irgendeinen Job. Für mich.«
Sie sieht mich an, wie sie mich vor fünfzehn Jahren schon angesehen hat. Also wäre ich ihr persönlicher Held vom Schulhof, als gäbe es nur mich. Und heute weiß ich, dass es tatsächlich so ist.
Zoe schweigt einen Moment, dann verzieht sich ihr Mund zu einem warmen Lächeln. »Das ist ein Anfang, Cedrik Baumann. Darauf können wir aufbauen.«
Und dann beugt sie sich vor, über den Tisch mit den vermaledeiten Zimtsternen, und küsst mich.

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5 thoughts on “Zimtsternzauber: Tag 24

  1. Liebe Izzy 😉
    Es war so schön, jeden Tag ein Stück weiterzulesen! Schade, dass es jetzt zu Ende ist! Es war toll geschrieben, ich konnte täglich super wieder einsteigen und ich liebe solche Geschichten. Danke😊 liebe Grüße, Cécile

  2. Erst dachte ich, es wäre schwer jeden Tag wieder neu in die Geschichte zu finden. Das schwierige war aber tatsächlich, nicht weiterlesen zu können.
    Stellenweise hätte ich mir ein wenig mehr Tiefe gewünscht, verstehe aber, das dies bei täglich einem Kapitel wohl schwer möglich ist.
    Mein Fazit: Eine wirklich schöne, leichte Geschichte mit viel Herz. Vielen Dank für die täglichen minuten Flucht aus dem Vorweihnachtsstress und Glückwunsch zu diesem gelungenen Buch!

    1. Liebe Melli, ganz lieben Dank dir für dein Feedback!! Ich gebe dir mit der Tiefe absolut recht, aber dafür hat mir auch einfach die Überarbeitungszeit (und meine Lektorin 😉 ) gefehlt.
      Liebe Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr!!
      Izzy

  3. *seufz* sehr schönes happy end. Bin fast traurig, dass sie sich jetzt nicht mehr so schön angiften können.

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