Mistelzweigmagie: Tag 2

Glitzersterne

Leonie

Sonntag, 2. Dezember

»Wie viele von diesen Sternen müssen wir eigentlich noch basteln?« Nora sieht mich, versteckt hinter einem Berg glitzernder Styroporsterne, zweifelnd an. Ihre kinnlangen blonden Haare sind völlig zerzaust vom vielen Haareraufen, an ihren Händen, auf ihrem blauen Pullover und selbst auf ihrem Gesicht kleben Spuren von Glitzer. Schmunzelnd beiße ich mir auf die Unterlippe, um nicht loszulachen.
»Ich weiß, du hasst basteln. Umso dankbarer bin ich dir, dass du mir hilfst!« Ich schenke ihr ein aufmunterndes Lächeln. Es ist fünf Uhr Sonntagnachmittag, der erste Advent. Noch drei Wochen bis Weihnachten und nur noch zwei bis zum alljährlich stattfindenden Weihnachtsmarkt. Meine Stresshormone laufen noch auf Normalmodus, allerdings nur, wenn wir bis heute Abend fünfhundert Glitzersterne zur Dekoration der Verkaufsbuden auf dem Markt fertig gebastelt haben. Daher sitzen Nora und ich seit heute Mittag mit fünfzehn anderen Helfern im großen Besprechungsraum unseres Gemeindezentrums und basteln glitzernde Styroporsterne.
»Du weißt, dass ich dir nur helfe, weil du mir anschließend einen Caramel Macchiato mit extra Shot versprochen hast und nicht, weil ich freiwillig dem Orga-Team für den Adventsmarkt beigetreten bin. Nach dem Konzert gestern Abend hätte ich deutlich mehr Schlaf vertragen können.« Nora streckt mir die Zunge heraus, kann sich aber ein Grinsen nicht verkneifen.
Das Konzert. Wieder durchfährt mich ein nervöses Kribbeln, wenn ich daran denke. Es war aufregend, laut, mitreißend. Und Jonah Storm hat die Show seines Lebens abgezogen. Er ist gut auf der Bühne und ohne jeden Zweifel hat er den Erfolg verdient. Für mich jedoch war es ein Schock ihn zu sehen. Jonah Storm, Jonah, der Jungen, mit dem ich groß geworden bin, bis er vor fünf Jahren entschieden hat Rockstar zu werden und unserem Ort den Rücken kehrte. Er war gestern so ganz anders als der Junge, den ich kannte, und doch war er ohne Zweifel derselbe. Das zumindest sagt mir mein Herz, das gestern Abend mit jedem Ton, jeder Note weiter zerbrochen ist.
»… aber abgesehen davon, hatte ich gerade nichts anderes zu tun. In diesem Kaff hier ist einfach nichts los.« Nora schnaubt demonstrativ.
Ich blinzle irritiert. Ich habe ihn nicht zugehört, so ein Mist!
»Außer der Weihnachtsmarkt in zwei Wochen«, stellt Nora weiterhin fest und rümpft die Nase. Ich kann ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Der Weihnachtsmarkt ist neben Fastnacht und Kerb eins der drei großen Jahreshighlights in Fichtenstein. Wirklich viel Aufregendes passiert in unserem sechstausend Seelen-Ort nicht – für Nora ein Drama, für mich jedoch der Hauptgrund hierzubleiben. Ich mag das Leben in Städten nicht, die Unpersönlichkeit und die Hektik. In unserem Ort kennt jeder jeden, das Leben folgt einer angenehmen Eintönigkeit und Ruhe, ohne große Überraschungen. Meine Eltern wohnen in Fichtenstein, fast alle meine Freunde sind hier geblieben. Ich wollte nie von hier fort, daher war es ein echter Glücksfall, dass ich an der örtlichen Grundschule eine Stelle als Lehrerin bekommen habe. Und mich – wie in den letzten Jahren auch – wieder um die Organisation des Weihnachtsmarktes, der immer am Wochenende des 3. Advents stattfindet, kümmern kann.
»Meinst du, die Feuerwehr macht wieder ihre Feuerzangenbowle?«, fährt Nora fort und ignoriert mein eintöniges Schweigen. Stattdessen blitzt Vorfreude in ihren Augen auf.
»Sicher. Und Dennis wird dich nur zu gerne wieder dazu einladen. Mit allen Konsequenzen«, gebe ich trocken zurück. Es ist kein Geheimnis, dass meine Freundin vor zwei Jahren mit unserem Stadtbrandinspektor aufs Übelste abgestürzt ist, und sie gemeinsam den Weg nach Hause gefunden haben. Der Rest ist Geschichte.
Nora grinst über beide Ohren. »Dass will ich doch sehr hoffen.«
»Nora«, beginne ich und greife mir ein neues Stück Styropor, um ein Stern auszuschneiden. »Du weißt, dass Dennis in dich verknallt ist. Vermutlich seit du in der sechsten Klasse mit ihm den Vortrag über das Paarungsverhalten der Wellensittiche gehalten hast.«
»Ja und? Kein Grund nicht regelmäßig mit ihm zu spielen.«
Ich werfe meiner besten Freundin einen strafenden Blick zu. Sie weiß genau, was ich ihr damit sagen will.
»Ach, hab dich nicht so. Ich sage nur, du und Jannik.«
Mein strafender Blick wird giftig. »Das ist etwas ganz anderes. Du weißt, dass da nichts läuft.«
»Aber du kannst nicht leugnen, dass er in dich verliebt ist. Vermutlich auch schon seit der sechsten Klasse.«
»Das ist völliger Blödsinn.« Ist es nicht und das weiß ich. Aber ich will so nicht über Jannik sprechen, will noch nicht einmal auf diese Art über ihn nachdenken. Denn Jannik ist mein bester Freund. Schon immer gewesen. Er ist für mich da, hört mir zu, muntert mich auf. Er ist unbeschwert, spontan und muss nicht andauernd über alles nachdenken, bevor er es tut. Er ist mein Gegenstück, meine positivere, fröhlichere Hälfte. Und ja, natürlich weiß ich, dass er in mich verliebt ist. Vermutlich wirklich schon seit der Schulzeit. Aber ich habe es nie erwidert. Auch wenn er bis heute darauf wartet.
»Wir werden sehen. Weihnachten hat ja seine ganz eigene Magie.« Meine Freundin zwinkert mir zu, bevor sie jemanden hinter mir fokussiert und sich ihr Mund zu einem spitzbübischen Grinsen verzieht. »Und scheinbar kann Jannik auch heute nicht ohne dich.«
Ein warnender Blick in Richtung Nora, dann drehe ich mich herum und suche nach einem blonden Lockenkopf im Gewusel der anderen Helfer. Blitzende blaue Augen finden meine und augenblicklich zupft die Fröhlichkeit an meinen Mundwinkeln.
»Na, Ladys, seid ihr schön fleißig?« Jannik kommt zu uns an den Tisch, greift sich einen Glitzerstern und dreht ihn in den Händen. »Wie viele müsst ihr davon machen?«
Jannik gehört zu den begehrtesten Männern bei uns im Ort – was an sich kein Kunststück ist, die Auswahl ist überschaubar. Dennoch … er ist groß, sportlich, hat blonde Locken und blaue Augen. Dazu hat er ein fein geschnittenes Gesicht und immer ein Lächeln auf den Lippen. Es gibt so gut wie niemanden, der ihn nicht mag. Und ich muss zugeben, dass er gerade heute mit seiner grauen Jeans, den Boots und dem engen schwarzen Pullover unverschämt gut aussieht.
»Fünfhundert«, stöhnt Nora theatralisch und deutet auf den Berg zwischen uns.
»Soll ich euch helfen? Und gleichzeitig mit dem neuesten Tratsch von der Fußballweihnachtsfeier unterhalten?« Jannik grinst verschwörerisch.
»Mein Platz gehört dir«, bietet meine Freundin großzügig an, doch Jannik geht um mich herum und setzt sich an den Tisch neben mich.
»Alles ok bei dir? Läuft die Orga?«, fragt er mich und kurz huscht Sorge über sein Gesicht.
»Klar! Du kennst mich, ich hab’s im Griff«, antworte ich und spüre Janniks Hand, die plötzlich auf meinem Arm liegt, überdeutlich. Die Wärme, die davon ausgeht, brennt sich durch meinen dünnen Pullover, bis sie meine Haut kitzelt. Ein Kribbeln breitet sich auf meinem Arm aus, Unruhe nimmt von mir Besitz. Aber es ist nicht richtig, es wäre einfach nicht echt.
Ja, Jannik ist in mich verliebt. Ich erkenne die Sehnsucht in seinen Augen. Es ist dieselbe, die ich in ganz seltenen Momenten in meinen eigenen finde. Wenn ich meinen Gedanken freien Lauf lasse und an diesen einen Abend vor sechs Jahren denke. Als ich schwach war und nicht nachgedacht habe. Dann kommt die Sehnsucht nach Liebe in mir hoch, die weder Florian, Patrick noch irgendeinem anderen Kerl in den letzte Jahren stillen konnten. Denn sie gilt keinem von meinen Ex-Freunden und auch nicht Jannik. Sie gilt einem ganz anderem.
Doch dann kommt die Erinnerung an den Schmerz, der daraus folgte. Und die Sehnsucht ist dahin.

Mistelzweigmagie: Tag 1

Der Fehler

Jonah

Samstag, 1. Dezember 2018

Der Bass vibriert laut durch meinen Körper. Meine Fingerspitzen kribbeln, meine Nackenhaare stellen sich auf. Nervosität packt mich.
Gleich.
Die erste Note, der erste Takt. Ich blinzle. Erkenne einzelne, gerötete Gesichter, verschwitzte Hände, die sich zur Bühne recken, darauf gierend mir nahe zu sein. Ich hole tief Luft.
Gleich.
Ich weiß, was ich tue, weiß, was von mir erwartet wird. Ich muss liefern, singen, spielen, die Massen begeistern. Und das kann ich verdammt gut!
Leise singe ich den ersten Ton, ein Flüstern, eine Liebkosung, und ein Kreischkonzert schlägt mir entgegen. Die Konzerthalle ist bis auf den letzten Platz ausverkauft. Hunderte, tausende hysterischer Fans, die von überall angereist sind, um uns zu sehen. Um mich singen zu hören. Kurz springt die Hysterie auf mich über, Freude und Begeisterung rauschen durch meinen Körper, aber schon nach dem letzten Takt des erstens Songs sind sie verschwunden und machen einer dumpfen Abgebrühtheit platz. Ich weiß, was ich tue, weiß, was sie alle von mir sehen wollen. Ihnen ist egal, ob ich hier stehe oder irgendein anderer. Hauptsache ich liefere eine atemraubende Show. Denn die Fans wollen mehr. Immer mehr. Und ich gebe ihnen alles.
Zwei Stunden später ist das Konzert zu Ende und bin ich völlig K.O.. Aber das Adrenalin rauscht immer noch durch meinen Körper, meine Ohren dröhnen und mein Puls durchschlägt jede Messlatte. Ich drücke meine Gitarre irgendeinem Bühnenarbeiter in die Hand, greife mir das Handtuch, das er mich hinhält, und wische mir den Schweiß aus dem Gesicht.
Ich bin schon fast von der Bühne, als mich ein letzter Blick auf das hysterische Publikum zurückhält. Und ich erschrocken zusammenzucke. Meine Finger verkrampfen und ein glühender Schmerz schießt durch mich hindurch. In der Menge geht sie fast unter, aber Lens Gesicht würde ich unter Tausenden wiedererkennen. Sie sieht mich nicht an, sondern diskutiert mit einer Frau neben ihr. Ihre langen dunkelbraunen Haare kleben ihr feucht auf der Stirn und die Begeisterung über meinen Auftritt steht ihn noch deutlich ins Gesicht geschrieben. Mein Atem geht stockend und plötzlich ist mir eiskalt. Fünf Jahre habe ich sie nicht gesehen und die Gefühle, die Sehnsucht, die jetzt über mir zusammenbricht, macht mich kaputt.
Ich will zu ihr, will mit ihr reden.
Aber ich kann nicht, alles daran wäre falsch.
Daher zwinge ich mich, meinen Blick von ihr zu reißen und weiterzugehen. Weg von der Bühne, weg von ihr.
»Was ein geiler Gig, Mann. Das war echt der Hammer!« Mick schlägt mir auf die Schulter, als ich im Backstage-Bereich ankomme. Hier ist es ruhiger, dunkler, weit weg von den hysterischen Massen vor der Bühne und den stechenden Scheinwerfern.
Meine Gefühle sind immer noch in Aufruhr, aber ich gebe mich ruhig. Schiebe meine Emotionen beiseite, wie ich es die letzten fünf Jahre getan habe. Gleichgültig zucke ich mit den Schultern und lasse das Handtuch, das ich immer noch in der Hand halte, achtlos fallen. »Ja, es war gut.« Okay, es war verdammt geil! Aber nach so vielen Jahren auf Tour hat mich der Abend nicht mehr wirklich umgehauen.
»Es war die Festhalle, Mann! Frankfurt! Endlich daheim.« Micks Wangen sind gerötet, Schweiß glänzt auf seiner Stirn und seine schwarzen Haare kleben ihm feucht am Kopf. Er sieht echt scheiße aus, aber die Euphorie glitzert in seinen Augen. Mick liebt dieses Leben, jede einzelne beschissene Sekunde davon.
Frankfurt. Daheim. Erneut sticht ein brennender Schmerz durch mich hindurch, erinnert mich daran, wo wir sind und was es mir bedeutet. Heimat, Erinnerungen, meine Familie. Verantwortung, die ich nicht mehr tragen wollte. Schuld und der verdammte Versuch, alles richtig zu machen. Ich will nicht weiter darüber nachdenken, über diesen Mist, den ich lange hinter mir gelassen habe, daher greife ich zur Flasche Jack Daniels, die mir Tim, mein anderer Bandkollege fragend hinhält, und nehme einen tiefen Schluck. Alkohol ist keine Lösung. Aber heute ist sie meine.
»Wow, Jonah, lass mir was übrig!« Feixend nimmt mir Tim die Flasche wieder aus der Hand. Wir sind in unserer Garderobe angekommen, die erstaunlicherweise noch vollkommen leer ist. Erschöpft lasse ich mich auf die schwarze Ledercouch fallen, während Tim und Mick sich auf zwei Stühle fläzen.
»Fährst du morgen nach Hause?«, fragt Mick seinen Kumpel. Er streckt seine langen Beine aus und fährt sich mit der Hand durch die klatschnassen Haare. Mick meint, er wäre der wiedergeborene Mick Jagger. Deshalb müssen wir ihn Mick nennen, statt Michael, und er trägt dieselbe Frisur wie sein großes Vorbild.
»Jep! Bis zum nächsten Konzert sind es ja noch zwei Wochen. Ich will meine Kleine mal wieder sehen.« Tims Tochter ist fünf. Und er hat sie in den letzten drei Jahren, in denen wir auf Tour waren, kaum zu Gesicht bekommen.
Das Adrenalin in meinem Körper flaut langsam ab und der Alkohol tut sein übriges, dass ich müde werde. Wie von alleine schließen sich meine Augen. Vielleicht sollte ich einfach ins Hotel fahren, so lange es noch geht. Wenn James mit den Weibern auftaucht, ist es vorbei.
»Und du, Jonah? Dein Bruder würde sich bestimmt freuen, da er ja leider nicht zum Konzert heute kommen konnte. Und ist da nicht dieses Mädchen …?«
Ich reiße die Augen wieder auf. Dunkle Haare, braune, warme Augen. Len. Nein, kein Mädchen. Zumindest nicht meins.
»Nein, ich bleibe hier im Hotel«, antworte ich verzögert und greife erneut nach der Whiskyflasche, die Tim auf den Tisch zwischen uns gestellt hat. Der Schock darüber, Len heute Abend gesehen zu haben, ist immer noch nicht ganz verschwunden. Fünf Jahre und plötzlich ist da ihr Gesicht. Und die verdammte Sehnsucht nach ihr ist kaum noch in den Griff zu bekommen. Fuck, verdammt!
»Willst du nicht wenigstens kurz vorbeischauen? Immerhin ist bald Weihnachten und direkt danach fliegen wir in die USA.« Tim sieht mich nachdenklich an. Ich weiß, was ihn umtreibt. Er macht sich Sorgen um mich. Unser Schlagzeuger ist um einiges empathischer als Mick und ich habe schon länger den Verdacht, dass er genau weiß, wie es in mir aussieht. Er hat hinter die Fassade geschaut und die verdammte Leere in mir gesehen, die jeden Tag wächst, mich jeden Abend mit jedem Konzert immer mehr auffrisst. Bis nichts mehr von mir übrig ist.
»Nein«, entgegne ich wortkarg, leere demonstrativ die Flasche und stelle sie zurück auf den Tisch. Jacky, mein Freund, du stellst wenigstens keine nervenden Fragen!
»Jonah, die letzten Monate haben uns allen zugesetzt. Gerade deshalb …«, setzt Tim an, aber ich würge ihn mit einer wütenden Handbewegung ab.
»Nein, Tim. Therapier Mick, aber lass mich in Ruhe.« Meine Zunge ist schwer vom Alkohol und zufrieden stelle ich fest, dass sich eine wohlige Wärme in meinem Körper ausbreitet. Es geht doch nichts über einen ordentlichen Vollsuff, um seine Probleme zu verdrängen.
Tim stützt sich mit den Ellenbogen auf den Knien ab und beugt sich zu mir. »Ich weiß, dass du das hier eigentlich gar nicht mehr willst. Vermutlich wolltest du es noch nie«, sagt er betont ernst und leise. »Und ich sehe mir nicht länger an, wie du dich mit dieser scheiß Band kaputt machst. Nur weil James immer mehr Konzerte spielen will, immer mehr Termine ausmacht und uns die Pressefuzzis auf den Hals hetzt. Vielleicht sollten wir es alle einfach gut sein lassen.«
»Red‘ keinen Quatsch, Mann«, unterbricht ihn Mick, bevor ich etwas erwidern kann. »Hysterische Frauen, die flachgelegt werden wollen, Geld ohne Ende und jeder Depp kennt deinen Namen. Was kann es Geileres geben?«
Familie, denke ich, Liebe. Aber ich spreche es nicht aus, denn zum einen sind das Dinge, die in meinem Leben keinen Platz mehr haben und zum anderen kommt in diesem Moment James mit zwei Tussis im Schlepptau in die Garderobe geplatzt. Die eine hat kurze blonde Haare, trägt einen Minirock und ist heute Abend ganz sicher leicht zu haben, die andere hat ihre braunen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und beäugt uns ehrlich interessiert. Ich mustere sie kurz und entscheide mich spontan für die braunhaarige Tussi. Sie erinnerte mich irgendwie an Len und ich weiß jetzt schon, dass es ein verdammter Fehler ist, sie heute Nacht zu vögeln. Aber ich kann einfach nicht anders.

Mistelzweigmagie: Mein Weihnachtsblogroman 2018

Bald ist es wieder soweit, die Adventszeit beginnt. Und da wir letztes Jahr alle so großen Spaß beim Lesen – und ich beim Schreiben – des Weihnachtsblogs hatten, wird es auch dieses Jahr einen geben.

Wie immer hänge ich im Zeitplan total hinterher, finde die Story aktuell super langweilig, die Figuren unausgegoren und eigentlich würde ich ihn am liebsten in die Tonne treten. Aber ich habe ja noch eine Woche 😉

Und wie auch letztes Jahr kämpfe ich mit den Herausforderungen, die so ein Blogkonzept mit sich bringt:

  • jeder Tag ist ein Kapitel
  • jedes Kapitel wird aus abwechselnder Perspektive erzählt
  • es müssen genau 24 sein – nicht mehr, aber auch nicht weniger
  • und… weder ein Lektor noch ein Korrektor werden ihn überarbeiten. Der Blog ist also wieder echt und vollkommen unzensiert von mir 🙂

Aber irgendwie werden wir das schon wuppen! Seid gespannt, in einer Woche geht es los mit:

Mistelzweigmagie

Len liebt ihr Leben. Die Ruhe und die Beschaulichkeit in dem kleinen Ort, in dem sie aufgewachsen ist. Ganz besonders die Adventszeit und den Weihnachtsmarkt, für dessen Organisation sie zuständig ist. Alles könnte so einfach sein, wäre da nicht Jonah und der verdammte Kuss vor sechs Jahren, der sie einfach nicht mehr loslässt. Doch Jonah hat dem Ort den Rücken gekehrt, ist gegangen, um ein berühmter Rockstar zu werden – bis er plötzlich wieder vor ihrer Tür steht und ihr Leben gehörig durcheinanderwirbelt.

Jonah hasst sein Leben. Den Trubel, den Erfolg, die falschen Freundschaften. Doch in dieses Leben ist er geflüchtet, weil er die Verantwortung und die Schuld, die seit dem Tod seines Vaters auf ihm lasten, nicht mehr ertragen hat. Nach einem Konzert in der Nähe seines Heimatortes beschließt er, dorthin zurückzukehren. Er will sich seiner Vergangenheit stellen und schauen, was von seinem alten Leben noch übrig ist. Und er will Len sehen, die er von sich gestoßen hat, um seinen kleinen Bruder zu schützen. Denn auch dieser ist in sie verliebt.

Ich freue mich sehr auf das gemeinsame Lesen!

Alles Liebe,

Eure Izzy

 

„Zauberhaft verhext: (K)ein Märchen“ ist daaaaaaaaaaaaaa!

Ich platze vor Stolz euch heute mein mittlerweile viertes Buch präsentieren zu dürfen! An alle Romantiker, Märchenliebhaber, eine-leichte-Lektüre-für-Zwischendurch-Suchenden, auf-die-harten-Kerle-Stehenden … und an alle, die einfach mal wieder etwas von mir lesen wollen, hier kommt „Zauberhaft verhext: (K)ein Märchen„!

Mein großer Dank gilt auch hier wieder allen, die mich unterstützt haben dieses Manuskript von der ersten Idee bis zum endgültigen Buch fertigzustellen! Ohne euch würde ich das alles gar nicht schaffen!

Worum geht es?

zauberhaft-verhext_cover_kleinEine Fee. Zwei Männer. Drei Wünsche. Das ganz große Chaos!

LIZ. Stell dir vor, du hast drei Wünsche frei und einer davon ist „der perfekte Mann für dich“. Aber was tust du, wenn da am Ende des Abends zwei ganz unterschiedliche Männer sind und du nicht sagen kannst, welcher von beiden dein Herz tatsächlich höherschlagen lässt? Da ist Chaos vorprogrammiert, vor allem, weil sich nicht der Gentleman, sondern das unverschämte Arschloch immer mehr in dein Herz stiehlt – aber den wolltest du doch eigentlich nie. Oder?

BEN. Geld, Autos, Alkohol und Frauen. Ich bin auf dem Zenit meines Erfolges angekommen, bin da, wo ich immer hinwollte. Doch ausgerechnet jetzt holt mich meine Vergangenheit ein – und ich könnte alles verlieren. Aber ich lasse mir meinen Erfolg nicht mehr kaputtmachen, dafür habe ich zu hart gekämpft. Dann platzt Liz in mein Leben. Und macht alles noch viel komplizierter.

Ab sofort bei amazon als E-Book und Taschenbuch und kostenlos für alle KindleUnlimited Leser. Viel Spaß damit!

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Meine Bücher leben von eurem Feedback! Daher freue ich mich sehr, wenn ihr mich mit Rezensionen und Likes unterstützt.

Eure Izzy

Hurra, „Schattenlicht: Goldenes Licht“ ist da!

Ihr Lieben, lang hat es gedauert, aber endlich – endlich! – hat mein neues Buchbaby das Licht der Bücherwelt erblickt. Ich habe mich diesmal an eine Fantasy-Triologie gewagt und kann euch heute voller Stolz den ersten Band präsentieren.

Ganz lieben Dank an alle, die mich dabei unterstützt haben! Ich hoffe, ihr habt so viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben.

Worum geht es?

Schattenlicht frontEine Prinzessin. Ein Dieb. Ein König.
Liebe. Verzweiflung. Verrat.
Und eine geheimnisvolle Prophezeiung.

Siennas Welt bestand einst aus Glanz und Ruhm. Doch seit ihr Vater unheilbar krank zu sein scheint, regiert seine zweite Frau als Königin das Lichtland. Gesetze, die immer galten, werden missachtet, die Bevölkerung wird kontrolliert und geblendet, und ein unterdrücktes Volk wird zum Sündenbock gemacht. Hass und Unruhen nehmen zu und treiben das Lichtland an den Rand eines Bürgerkrieges. Mit der Ankunft des mächtigen Dunklen Königs überschlagen sich die Ereignisse.
In all dem Chaos kämpft die Lichtprinzessin darum, zu verstehen, was falsch und was richtig ist, und sie erkennt, dass es an der Zeit ist, Verantwortung zu übernehmen. Aber wem kann sie noch trauen? Ihrem Verlobten, dem Dunklen König, der bis zu seiner Rückkehr ins Lichtland ihre Träume bestimmt hat, oder dem undurchschaubaren, geheimnisvollen Thy, der kommt und geht, wie es ihm beliebt, der sie verhöhnt und provoziert und doch der Einzige ist, der sie mit der schonungslosen Wahrheit konfrontiert?

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Eure Izzy

Eine unvergessliche Adventszeit

24 Tage sind rum, 24 Kapitel veröffentlicht. Und ich bin immer noch vollkommen geflashed!

Ihr habt mich umgehauen, sprachlos gemacht und mir die wohl fantastischste Adventszeit beschert, die ich seit langem hatte. Ich kann mich gar nicht oft genug bei euch für euer Feedback, eure aufmunternden Worte, eure Unterstützung, eure Anregungen und all das Lob bedanken!! Es war ein mutiges, ehrliches Projekt und ihr alle habt mich wissen lassen, dass es jede Minute, die ich darauf verwendet habe, wert war. Fühlt euch alle umarmt, ganz lieben Dank dafür!!

Für alle, die den Blogroman nochmal auf in Ruhe lesen möchten, habe ich mich entschieden, ihn als eBook und als Taschenbuch herauszubringen (wie gesagt, meine Oma wäre mit dem Kindle ein wenig überfordert).

Hier geht’s zum eBook: http://amzn.to/2pd2IrU

Das Taschenbuch ist leider noch nicht online, der Veröffentlichungsprozess dauert wie immer gefühlte Jahre…

Wie geht’s weiter?

Pause! Nach einem so intensiven Schreibmonat freue ich mich auf ein wenig Ruhe, um Ideen und Inspirationen zu sammeln. Außerdem steht noch der ein oder andere Urlaub an 🙂 Aber das nächste Buchprojekt wartet bereits und ich verspreche, dass ihr spätestens im Februar von mir hören werdet.

Den Blog werde ich nutzen, um über neue Projekte zu informieren (ich verspreche, euch nicht zuzuspamen) … und wer weiß? Auch in 2018 gibt es wieder eine Adventszeit 😉

Euch allen fröhliche Weihnachten, besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!!

Eure Izzy

Zimtsternzauber: Tag 24

Zimtsternzauber oder ein Schneesturm im Sommer

Cedrik

Es ist Weihnachten. Ein Tag wie jeder andere und doch etwas besonderes. Für all die Kinder, die heute mit glänzenden Augen auf das Christkind warten, für all die Erwachsenen, die gestresst vom ganzen Jahr heute Abend endlich zur Ruhe kommen. Und zum ersten Mal seit Langem ist dieser Tag auch etwas besonderes für mich.
Schneeflocken tanzen vor dem Fenster. Durch halb geschlossene Augen verfolge ich ihr anmutiges Spiel, genieße die Stille um mich herum und lasse mich fallen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so ruhig war. So zufrieden, so glücklich. Hätte mich jemand vor vierundzwanzig Tagen gefragt, wo ich wohl an Weihnachten dieses Jahr aufwache, auf Zoes Kinderzimmer wäre ich im Traum nicht gekommen.
Ein leises Seufzen lässt mich schmunzeln. Ich drehe meinen Kopf und beobachte, wie Zoe die Nase rümpft. Ihre Lider flattern, sie wacht auf. Ihr Gesicht ist selbst im Winter von Sommersprossen bedeckt, und ich kann mich nicht bremsen und hauche ihr einen Kuss auf die Nasenspitze. Sie schaut mich an und ich erkenne Unsicherheit in ihrem Blick. Es ist nicht der erste Tag, an dem wir gemeinsam in einem Bett aufwachen, aber es ist ganz sicher der erste Morgen mit rosa Pferdebettwäsche.
»Guten Morgen«, grinse ich sie vergnügt an und das warme Gefühl in meinem Bauch beginnt zu kribbeln. Und das verlangende Ziehen in meinem Unterleib, weil sie verdammte Kacke nackt neben mir liegt!
Zoe grummelt irgendetwas Unverständliches. Sie dreht sich auf die Seite, lässt mich dabei jedoch keinen Moment aus den Augen. So als könnte sie immer noch nicht glauben, dass ich tatsächlich neben ihr liege. Kann ich auch nicht, wenn ich mir die Porzellanfiguren auf dem Fenstersims betrachte, die vor Kitsch nur so strotzen. Meinen Schwanz interessiert das allerdings recht wenig, der schreit trotz des unerotischen Firlefanz nach Aufmerksamkeit.
»Was ist das zwischen uns?« In ihrer Frage schwingt ihre ganze Unsicherheit mit und am Liebsten würde ich laut aufstöhnen. Frauen! Immer müssen sie allen analysieren, kategorisieren und benennen. Kann man den Dingen nicht ab und zu einfach ihren Lauf lassen? Und vögeln?
»Ist das wichtig?«, frage ich daher und lasse meine Hand unter ihre Bettdecke gleiten. Also genau genommen ist es auch meine, denn wir haben uns heute Nacht um Wendy buchstäblich gekloppt. Doch da sie die Decke irgendwann für sich entschieden hat, liege ich jetzt splitternackt, unbedeckt und offensichtlich angeturnt neben ihr.
»Ja, ist es.«
Unbeirrt setze ich meinen Weg fort, finde ihren warmen Bauch, fahre zu ihrer Taille und ziehe sie mit einem Ruck an mich heran. Mein steinharter Schwanz drückt sich an ihren Körper und das Verlangen rast wie Feuer durch meine Adern. Oh Baby, du willst jetzt nicht ernsthaft reden, oder?
»Mmh … dann lass mal sehen, was das zwischen uns ist«, raune ich ihr leise zu, während ich spielerisch mit den Fingern ihren Körper hinaufgleiten. Zoe zischt, als ich ihre Brüste berühre und ihre Brustwarzen unter meiner Liebkosung hart werden.
Mein Mund verzieht sich zu einem boshaften Grinsen. »Im Moment ist da eine überflüssige Decke zwischen uns.« Mit einem Ruck ziehe ich sie ihr von den Schultern, so dass sie ebenso nackt wie ich vor mir liegt.
Zoe keucht empört auf und ich nutze den Moment und schmiege meinen Kopf in ihre Halsbeuge. Ihr Duft nach Zimt hüllt mich ein und vernebelt mein Gehirn. Meine Hände fahren wie von selbst über ihren nackten, warmen Körper und ich merke deutlich, wie ihr Widerstand dahinschmilzt. Lächelnd schließe ich die Augen, folge mit meinem Mund einer unsichtbaren Spur ihren Hals hinauf, spüre ihren aufgeregten Puls an meinen Lippen.
Ein leises Stöhnen durchdring die Stille, als Zoe ihren Kopf hebt und ihre Lippen verzweifelt auf meine drückt. Ich lache amüsiert in ihren Mund, weil ich sie sowas von im Griff habe und erwidere ihren Kuss mich absichtlicher Zurückhaltung. Zoe ächzt frustriert, schiebt ihre Zunge in meinen Mund und krallt ihre Hände in meinen Rücken. Heißes Verlangen explodiert in meiner Mitte. Oh scheiße, ja, Baby!
Mit einer einzigen Bewegung bin ich über ihr und drücke sie in die Kissen. Dunkelgrüne Augen funkeln mich an, sprühen förmlich vor Liebe und Leidenschaft. Gestern Nacht war es dunkel, jetzt am helllichten Morgen erkenne ich umso deutlicher, was ich seit langem bereits weiß. Zoe ist in mich verliebt.
Ich halte inne, sehe sie nur an. Mein Körper liegt nackt auf ihrem, hart und bereit, sie sofort zu nehmen. Zoes Atem geht hektisch und heißes Verlangen schlägt mir entgegen. Aber da ist etwas, was ich ihr sagen muss. Bevor ich sie vögle und alle anderen Gedanke auslösche. Da ist diese eine Sache, die all das zwischen uns endgültig macht.
Zoe bewegt ihre Hüfte, ihre feuchte Mitte trifft meinen harten Schwanz und ein gequältes Keuchen entfährt mir. Jetzt oder nie.
»Ich bin in dich verliebt, Zoe.«
Oh man, habe ich das echt gesagt?
Ihre Augen werden kugelrund, während ich mich mit einem einzigen harten Stoß in sie stoße. Und sie hoffentlich vergessen lasse, was ich eben gesagt habe. Aber Zoe hebt ihre Hand, legt sie an meine Wange. Dann öffnet sie ihre Lippen, flüstert ein paar Silben, aber ich verschließe ihren Mund mit einem Kuss. Ich brauche ihre Antwort nicht hören, denn ich weiß bereits alles, was ich will.
Ein Klopfen an der Tür lässt uns zusammenfahren.
»Zoe?«
Ich halte inne, mein Schwanz pulsiert in ihrer Mitte, aber ich bin unfähig mich auch nur einen Zentimeter zu bewegen.
»Zoe, bist du da? Wir wollen gleich in den Gottesdienst gehen und ich wollte fragen, ob du nicht mitkommen möchtest?«
Fuck! Ernsthaft?
Zoe sieht mich panisch an. Und ich sehe ebenso panisch zurück.
»Ja, Mama. Ich … ich komme gleich.«
Mir entfährt ein Fluch. Wohl kaum! Sie liegt immer noch nackt unter mir, und ich will das jetzt verdammt noch einmal zu Ende bringen. Aber mein Schwanz realisiert sehr schnell, dass das wohl nichts mehr wird.
»Warum zur Hölle wohnst du noch bei deinen Eltern?« Meine ganze Frustration bricht sich ihre Bahn, während ich mich schwungvoll neben sie zurück auf das Bett werfe.
»Du weißt, warum. Oliver. Aber in drei Wochen ziehe ich in eine eigene Wohnung neben Tinas Apartment.« Sie zuckt bedauernd mit den Schultern, lächelt mich entschuldigend an. »Hast du Lust auf Frühstück?«

***

Wir frühstücken zum Glück nicht bei ihren Eltern. Das hätte mir auch wirklich den Rest gegeben. Stattdessen hat mich Zoe in ein kleines Café um die Ecke eingeladen, das trotz der anbrechenden Weihnachtsfeiertage geöffnet hat. Hier sitzen wir nun bei Kaffee und Croissants und Zimtsternen, die in einer hölzernen Schale mitten auf dem Tisch stehen. Ich muss über die Ironie beinahe lachen, denn dieser verdammte Zimtgeruch verfolgt mich jetzt, seit ich Zoe wieder getroffen habe.
»Warum hast du gekündigt?« Zoe nippt an ihrem Latte macchiato und schaut mich erwartungsvoll an. Ich seufze innerlich. Der schöne Teil des Morgens liegt hinter uns, jetzt muss ich wirklich reden. Und dabei hatten wir noch nicht einmal richtigen Sex.
»Ich habe mir meinem Vater gesprochen. Über unsere Erkenntnisse über die Nero Investment Group, über ihre Machenschaften, den Start-ups das Geld aus der Tasche zu ziehen.«
»Und was hat er gesagt?«
»Er …« Gibt mir die Schuld daran. Aber das kann ich nicht aussprechen, auch weil es nur zum Teil der Wahrheit entspricht. »Er meinte, der Agentur ginge es finanziell nicht besonders gut, und dass dies der einzige Weg gewesen wäre, sie zu retten.«
»Das kann nicht sein Ernst sein!« Zoe starrt mich fassungslos an. Sie kennt meinen Vater nicht, ihm war das bitterernst. Die Firma steht über allem. Über ihm, der Familie, über jedem anderen Menschen, der ihn davon abhält erfolgreich zu sein. Das war schon immer so. Und daran werde ich auch nichts ändern.
»Was tun wir jetzt?«, fragt Zoe, als ich nichts sage.
Ich nippe an meinem Espresso, bevor ich ihr antworte. Auch, weil ich einen Moment Zeit brauche, um meine Gedanken zu sortieren. »Ich habe mit Max gesprochen. Er hat Einblicke in die Finanzen und ist dabei herauszubekommen, wie viel Geld mein Vater tatsächlich mit der Nero Investment Group verdient hat. Es gehört uns nicht, daher werden wir es zurückgeben.«
»Aber die Group wird weitermachen!«, braust Zoe auf und rote Flecken bilden ich auf ihren Wangen, weil sie sich so aufregt. Sie bringen mich zum Schmunzeln und wieder breitet sich dieses wohlig warme Gefühl in meinem Bauch aus. Zoe ist impulsiv, wütend und stur. Und ich frage mich einmal mehr, wie so ein Vollidiot wie Oliver sie so lange an sich binden konnte.
»Nein, wird sie nicht. Ich habe Jordan kontaktiert, aber er hat über meine Drohungen zur Polizei zu gehen nur gelacht. Es wäre nichts Illegales an der Sache, meint er. Also fliege ich nächste Woche nochmal nach New York. Ich werde Julia treffen und Jeff. Wir überlegen uns etwas, und gemeinsam werden wir dem ein Ende machen.«
»Ich komme mit!« Davon werde ich sie auch nur schwer abhalten können.
»Das dachte ich mir«, entgegne ich lächelnd. »Außerdem schulde ich dir noch einen Besuch auf dem Empire State Building, das ging bei unserem letzten Trip leider … unter.«
»Du hast dich stattdessen betrunken«, stellt Zoe fest und funkelt mich zornig an. Aber ihre Mundwinkel zucken verräterisch. Sie trinkt noch einen Schluck aus ihrem Kaffee und kaut anschließend nachdenklich auf ihrer Unterlippe. Fuck, wenn sie das weiterhin tut, können wir unser Gespräch vergessen und ich zerre sie zurück ins Bett. In mein Bett, wohlgemerkt, wo uns keine Mutter mehr stört!
»Hast du deshalb gekündigt?«, kommt Zoe auf ihre eigentliche Frage zurück. »Weil dein Vater mit drin steckt und du gegen ihn ermitteln wirst?«
Ich atme tief durch. Jetzt kommt der schwere Part. »Nein. Ich habe gekündigt, weil ich endlich etwas alleine schaffen muss. Du hattest recht mit dem, was du im Aufzug zu mir gesagt hast. Ich verstecke mich hinter meinem Vater. Und irgendwie auch hinter meinem Bruder. Ich war zornig auf die ganze Welt, daher muss ich endlich meinen eigenen Weg gehen.«
»Mmh.« Sie greift nach meiner Hand, die locker auf dem Tisch zwischen uns liegt, und fährt sanft mit ihrem Daumen darüber.
»Und was ist das zwischen uns, Cedrik?« Ihre Frage von heute Morgen.
»Ich weiß es nicht«, antworte ich ihr ehrlich. Und dann zwinge ich mich die Worte noch einmal auszusprechen, vor denen ich so große Angst habe. Weil sie es verdient hat. Weil es die Wahrheit ist. Und ja verdammt, auch weil heute Weihnachten ist, und ich wenigstens ein gutes Geschenk heute machen möchte. Für sie. Für mich. Für uns. »Ich habe mich in dich verliebt, Zoe. Weil ich dich brauche. Nicht für die Firma oder irgendeinen Job. Für mich.«
Sie sieht mich an, wie sie mich vor fünfzehn Jahren schon angesehen hat. Also wäre ich ihr persönlicher Held vom Schulhof, als gäbe es nur mich. Und heute weiß ich, dass es tatsächlich so ist.
Zoe schweigt einen Moment, dann verzieht sich ihr Mund zu einem warmen Lächeln. »Das ist ein Anfang, Cedrik Baumann. Darauf können wir aufbauen.«
Und dann beugt sie sich vor, über den Tisch mit den vermaledeiten Zimtsternen, und küsst mich.

Zimtsternzauber: Tag 23

Quit playing Games With My Heart

Zoe

Ich habe noch nie einen Liebesbrief bekommen. Und jetzt liegt einer vor mir. Auf dem karierten Papier eines Collegeblockes, mit blauem Kugelschreiber geschrieben, springen mir die Worte regelrecht entgegen.
Willst du mit mir gehen?
Ja. Nein. Vielleicht.
Das kann nicht sein Ernst sein!
»Du kommst heute Abend auf alle Fälle mit!« Tinas Drohung fegt durch den Telefonhörer und übertönt die Backstreet Boys, die im Hintergrund aus meiner alten Musikanlage dudeln. »Und könntest du endlich diesen Mist abstellen? Wir sind doch keine fünfzehn mehr.«
Doch. Sind wird. Zumindest fühle ich mich genau so.
»Ich habe keine Lust. Wirklich. Ich muss noch Geschenke einpacken, meine Mum will zusammen mit mir den Braten vorbereiten und …«
»Du verarschst mich, oder?«
Ich hoffe, dass sie nicht mit mir spricht. Denn es ist mir bitterernst mit meiner Entscheidung, heute Abend zu Hause zu bleiben. Und nicht, ich betone NICHT, mit Tina auf eine Hüttenzauber Party zu gehen.
»Nein.«
»Ich bin in einer halben Stunde bei dir! Und zieh‘ irgendwas weihnachtliches an.«
Mir klappt der Mund auf, um lautstark zu protestieren, aber Tina hat bereits aufgelegt. Das merkwürdige Gefühl beschleicht mich, dass im Moment alle außer Kontrolle sind. Tina mit ihrer fixen Idee, mich auf diese Party zu schleppen, und Cedrik, dessen Brief immer noch auf meinem Schreibtisch liegt. Was hat er sich nur dabei gedacht? Na gut, er hat zugegebener Maßen wortreich geschrieben, was er von mir will. Nämlich mit mir reden, eine Chance, sich zu erklären. Und er hat ernsthaft erwähnt, dass er auf meine Haare steht und ich tolle grüne Augen habe. Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man meinen, der Brief sei von einem Teenager. Was vermutlich pure Absicht war, deshalb auch die bescheuerte Frage am Ende. Und deshalb auch die Backstreet Boys, die mich meine ganze Jugend und Cedrik-Anschmacht-Zeit begleitet haben.
Seufzend falte ich das Blatt Papier zusammen und schiebe es unter einen Stapel Rechnung. So muss ich es zumindest nicht länger anschauen und mich damit auseinandersetzen, ob ich nicht vielleicht doch mit ihm reden sollte. Stattdessen wende ich mich meinem Kleiderschrank zu und greife nach kurzer Überlegung zu einer schwarzen Jeans und einem roten Pullover. Tina wird nicht aufgeben und in spätestens dreißig Minuten hier sein. Besser ich bin vorbereitet.

***

»Das ist doch echt cool hier, oder?«
Durch den Lärm der umstehenden Gäste, die alle rote Nikolausmützen auf ihrem Kopf tragen, verstehe ich meine Freundin kaum.
»Ja, es ist ok«, brülle ich zurück und quetsche mich zwischen zwei Kerlen hindurch, Tina hinterher.
Wer kommt auf die bescheuerte Idee, mitten in der City eine Skihütte aufzustellen? Jemand mit einem genialen Gespür für Parties beantworte ich mir meine Frage selbst, denn die Hütte platzt aus allen Nähten. Kein Zentimeter ist mehr Platz zwischen all den feiernden Menschen, von der langen Schlange vor der Hütte einmal ganz abgesehen. Weihnachtslieder dröhnen aus den Boxen in der Ecke, in der Luft liegt der unverkennbare Geruch nach Bier, Glühwein und Schweiß. Die Menschen um uns herum feiern jedoch so ausgelassen, als gäbe es kein Morgen mehr.
»Hier, nimm!« Tina hält mir ein Schnapsglas entgegen und ohne zu fragen, was darin ist, trinke ich es aus. Anders überlebe ich diesen Abend nicht.
»Gute Einstellung!« Meine Freundin zwinkert mir zu und reicht mir direkt das nächste Glas. Diesmal nippe ich jedoch nur am Feigenschnaps, da ich den morgigen Heiligen Abend doch noch erleben möchte.
Plötzlich reißt Tina ihre Hände hoch und winkt hektisch. Sie trägt ein weißes Oberteil mit Glitzersternen darauf und um ihre Hand klingeln unzählige silberne Reifen. Zusammen mit der roten Mütze hat sie tatsächlich etwas von einem Weihnachtswichtel. Unwillkürlich muss ich schmunzeln. Es war eine gute Idee, hierher zu kommen. Andernfalls hätte ich mich nur in meinem Zimmer verkrochen oder am Ende doch noch mit meinen Eltern die Extended-Version der Dornenvögel gesehen. Allein die Vorstellung beschert mir eine Gänsehaut und ich kippe den zweiten Schnaps hinunter. Heilig Abend ist ja noch eine Weile hin.
»Hi, schön, dass du da bist.« Tina schiebt sich an mir vorbei. Ich drehe mich mit ihrer Bewegung um, um zu sehen, wen sie da eben begrüßt hat und kann mich in letzter Sekunde bremsen, den Schnaps nicht vor lauter Überraschung wieder auszuspucken. Max‘ Zunge steckt bereits im Hals meiner Freundin und ich glotze die beiden an, wie ein Unfall, bei dem man einfach nicht mehr wegsehen kann. Was bitte habe ich da denn verpasst?
»Hey!« Max winkt mit seiner freien Hand, die nicht am Hinterteil meiner Freundin klebt, und schaut ein wenig ertappt.
Ich hebe nur fragend die Augenbrauen. Eine Erklärung werde ich wohl so schnell nicht bekommen.
»Hi, Zoe.«
Die Stimme hinter mir lässt mich herumfahren. Und Tina und Max auf der Stelle vergessen. Mit einmal mal ist mir warm und kalt gleichzeitig und alles, was durch meine Gedanken dröhnt, ist diese eine dämliche Frage: Willst du mit mir gehen? Eine Antwort darauf habe ich immer noch nicht.
Aber Cedrik sieht auch nicht aus, als erwarte er jetzt eine. Stattdessen lächelt er mich fast unsicher an und dieses Lächeln löst so viel mehr in mir aus, als es jedes geschriebene Wort seines Briefes.
»Was machst du hier?« Es ist sicher nicht die erste Frage, die mir einfällt, aber die einzige, die ich zu stellen bereit bin.
»Max meinte, dass ihr beide hier seid.« Er zuckt mit den Schultern und die Unsicherheit verschwindet aus seinem Gesicht. Stattdessen verzieht er seinen Mund zu dem arroganten Grinsen, dass ich seit fünfzehn Jahren an ihm kenne. Und immer noch erfolglos zu hassen versuche. »Außerdem wollte ich dich sehen.«
»Ah.« Äußerst eloquent, Zoe!
Zwei Frauen schieben sich an uns vorbei, drängen uns an den Rand der Hütte. Hier ist es kaum ruhiger und mehr Platz hat man auch nicht. Ganz im Gegenteil. Cedrik steht so dich vor mir, dass ich meinen Kopf heben muss, um ihn anzusehen.
Meine Hände stoßen gegen seinen Bauch, als ihn jemand anrempelt und obwohl mehrere Stoffschichten dazwischen liegen, schickt die Berührung Stromstöße durch meinen Körper. Oh verdammt!
»Wie geht es Oliver?« Cedrik hat sich zu mir gebeugt, damit ich ihn besser verstehe. Sein Atem streift meine Wange, lässt meine Haut brennen und mit einem Mal ist mir unsäglich heiß.
»Keine Ahnung. Ich habe ihn seit Donnerstagnacht nicht mehr gesprochen.« Warum zur Hölle lüge ich ihn nicht einfach an? Aber als ich den Blick hebe und erneut in Cedriks sturmverhangene Augen sehe, trifft mich die Wahrheit mit aller Wucht. Weil ich ihn will. Weil ich ihn schon immer wollte und immer noch verzweifelt darauf hoffe, dass er mich auch will. Und dieser verdammte Brief hat mich hoffen lassen. Genauso wie die Tatsache, dass er jetzt vor mir steht, sich immer noch an mich drückt, obwohl er es nicht länger müsste.
»Hast du meinen Brief bekommen?«
Ich schlucke hart. Mein Hals ist wie ausgedörrt. Meint er das tatsächlich ernst mit mir? Sind wir doch ein Schneesturm im Sommer?
»Ja.«
In seinen Augen blitzt etwas auf. Am Rande bekomme ich mit, wie Tina und Max an uns vorbei in Richtung Bar gehen und meine Freundin Max‘ Hand zielsicher hinter sich her zieht. Irgendwie überrascht mich das nicht. Die beiden passen zusammen. Tun Cedrik und ich das auch? Meine Gefühle schlagen Purzelbäume und ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich bin wütend auf ihn, er hat mir wehgetan. Zumindest war das der Stand am Donnerstag. Was also hat sich seitdem verändert?
»Zoe?«
Verwirrt schaue ich wieder zu ihm hoch. Hat er irgendetwas gesagt?
»Denk‘ nicht so viel!«
Und dann küsst er mich.
Cedrik bittet mich nicht, er fragt auch nicht um Erlaubnis. Das hat er noch nie. Er küsst mich einfach. Und dieses Mal haut es mich um. Endgültig und unwiderruflich gehe ich in diesem Moment an ihn verloren.
Denn ich kann fühlen, dass es ihm genauso geht. Dieser Kuss ist anders, als unser erster Kuss während der Weihnachtsparade in Newfane. Er ist auch anders, als die Zärtlichkeiten, die wir in der Nacht oder am Morgen danach ausgetauscht haben. Dieser Kuss ist echt, ungeschminkt, die einfache Wahrheit, dass mehr zwischen uns ist, als ein lapidares Geplänkel. Wie ein Schneesturm fegen meiner Gefühle und Empfindungen durch mich hindurch, ich lasse mich fallen und höre endgültig auf zu denken. Meine Hände suchen nach Halt, krallen sich in Cedriks Pullover fest, weil meine Knie wegzubrechen drohen. Ich bekomme keine Luft mehr, doch ich brauche nicht länger zu atmen, weil alles was zählt, Cedriks Lippen auf meinen sind. Ein Keuchen schlägt mir heiß entgegen, schickt ein verlangendes Ziehen durch meinen Körper bis zu dem empfindsamen Punkt zwischen meinen Beinen. Oh zur Hölle, ich will diesen Kerl! Und jeder Millimeter zwischen uns, ist einer zu viel!
Meine Hände fahren wie von selbst unter seine Pullover, finden seine warme Haut, während Cedrik mit seinen Lippen eine brennende Spur meinen Hals hinab zieht.
»Wir sollten von hier verschwinden«, raunt er dunkel an meinem Ohr. Er löst sich von mir und ich schnappe verzweifelt nach Luft. Meine Lungen ziehen sich schmerzhaft zusammen, weil ich dringend Sauerstoff brauche.
Cedrik grinst verschmitzt, aber seine dunklen Augen funkeln mich an. Und ich erkenne eine Zuneigung und Wärme in ihnen, die mich erneut trocken schlucken lässt. Er meint es ernst. Verdammt ernst. Im Hintergrund trällert Andreas Gabalier gerade ein Weihnachtslied, aber die Musik erreich mich nicht mehr. Ich sehe nur Cedrik. Seine blaugrauen Augen und das Versprechen darin. Das Versprechen, dass er sich so viel mehr wünscht, als nur einen netten Abend. Dass er mir so viel mehr wünscht.
»Komm!«
Ich greife nach seiner Hand und ziehe ihn hinter mir her. Durch all die feiernden Menschen, vorbei an der Warteschlange vor der Skihütte, durch die Straßen, bis zum Haus meiner Eltern. Davor bleibe ich stehen, drehe mich unsicher zu ihm um.
»Fragst du mich jetzt ernsthaft, ob ich noch mit rauf kommen will?«, lacht er und wirkt mit einem Mal wieder wie der Junge vom Schulhof. Befreit, jung, als hätte er eine schwere Last von seinen Schultern gestreift.
»Wir sollten reden.«
Schneeflocken fallen vom Himmel und die ganze Szene wirkt im Licht der Straßenlaternen nahezu unwirklich.
»Das sollten wir«, stimmt mir Cedrik zu und kurz huscht ein Schatten über sein Gesicht. »Aber es ist gleich Mitternacht und jetzt werden wir ganz sicher nicht mehr … reden.«
Ich beiße auf meine Lippe und schlucke meine Antwort herunter. Zu viele Dinge zwischen uns sind immer noch ungeklärt. Die Nero Investment Group, seine Kündigung, sein Vater. Wir. Aber weil Cedrik mir schon wieder näher kommt und nun mit der Hand mein Kinn anhebt und einen federleichten Kuss auf meine Lippen haucht, trete ich meinem mahnenden erwachsenen Ich in den Hintern, und beschließe, heute Nacht das fünfzehnjährige Mädchen zu sein, das Cedriks Zuneigung so unendlich verdient hat.

Zimtsternzauber: Tag 22

Erkenntnisse

Cedrik

Ich bin in Zoe verliebt.
Die Erkenntnis sollte mir Angst machen, aber überraschenderweise tut sie es nicht. Stattdessen fühlt es sich vertraut an, wenn ich an Zoe denke. Warm, geborgen. Als müsste ich mich bei ihr nicht darum bemühen, der zu sein, der ich sein will, sondern einfach der sein, der ich bin. Wenn ich jedoch an gestern Abend denke, muss ich zugeben, dass es genau dieser jemand mal wieder richtig verbockt hat. Fuck!
Eine kleine Schneeflocke trifft meine Nase, kitzelt auf meiner Haut, bevor ich sie mit der Hand abstreife. Es ist ein trüber Morgen, kein Sonnenstrahl am Himmel, nur ein gleichbleibendes tristes Grau. Und es ist arschkalt.
Was also tue ich hier?
Die Türen zu der kleinen Kapelle vor mir öffnen sich und ein Schwall Personen ergießt sich auf den Vorplatz. Sie sind alle eingemummelt in dicke Mäntel, Schals und Mützen, dennoch kommt ihr freudiges Strahlen im Gesicht sicher nicht von der Entzückung über das beschissene Wetter. Sondern von einem Pärchen, das in diesem Moment Hand in Hand über die Pforte der Kapelle schreitet und lächelnd die ersten Glückwünsche entgegennimmt.
Vanessa sieht atemberaubend aus! Sie trägt einen weißen offenen Mantel, der den Blick auf ein mit Spitze besetztes Brautkleid freigibt. Auf einen Schleier hat sie verzichtet, stattdessen hat sie ihre blonden Haare locker hochgesteckt. Und neben ihr, in Dunkelblau, steht der Lackaffe, mit dem sie mich betrogen hat. Na bravo!
Obwohl es viel zu kalt ist, bleibt die Gesellschaft vor der Kirche stehen. Irgendwer drückt mir ein Sektglas in die Hand und ich frage mich erneut, was ich eigentlich hier tue. Es war eine bescheuerte Idee, herzukommen.
»Cedrik!« Fuck!
»Beate.« Ich gebe mir einen Ruck. Ziehe meine Hand aus meiner Manteltasche und halte sie meiner Ex-Schwiegermutter entgegen.
Statt meine Hand zu nehmen, drückt sie mich an sich. Eingehüllt in ein viel zu süßes Frauenparfüm habe ich das Gefühl zu ersticken. Nicht nur wegen des penetranten Duftes, auch weil mir ihre Nähe unangenehm ist.
»Ach, ist es nicht schön? Endlich heiratet meine Kleine!«
»Ähm … ja.« Ob ihr klar ist, dass ich ihre Kleine auch heiraten wollte?
»Bist du schon verheiratet? Wie geht es dir?« Will mich die Alte verarschen?
Beate bleibt mein zynischer Kommentar erspart, da Vanessa in diesem Moment neben sie tritt. Sie schaut mich überrascht an, dann breitet sich ein unsicheres Lächeln auf ihrem Gesicht aus. »Was machst du hier, Cedrik?«
Gute Frage! Genau genommen bin ich einer Eingebung gefolgt, die mich heute Morgen aus dem Schlaf gerissen hat. Und den Worten des verfickten Radiomoderators, der mich heute mit »Noch zwei Tage bis Weihnachten« geweckt hat.
»Ich wollte dir alles Gute wünschen.« Jetzt, wie ich so vor ihr stehe, klingt das mehr als unglaubwürdig. Ich sollte verschwinden.
»Mutti, ich glaube Tante Gabi weiß nicht genau, wo wir feiern. Erklärst du es ihr bitte noch einmal?« Vanessa schiebt ihre Mutter förmlich in Richtung ihrer Tante, bevor sie sich wieder mir zuwendet.
»Meinst du das ernst?« Sie lächelt nicht mehr, dennoch sieht man ihr deutlich an, wie glücklich sie ist. Eifersucht zuckt durch mich hindurch, weil ich ihr dieses Glück nie geben konnte. Der Lackaffe offensichtlich schon.
»Sonst wäre ich kaum hier.«
Sie schweigt einen Moment. Schneeflocken wirbeln um uns herum, lassen sie fast märchenhaft wirken in ihrem weißen Mantel und dem Brautkleid.
»Ich habe über unser Gespräch nachgedacht«, sage ich schließlich, weil das der eigentliche Grund ist, der mich heute Morgen aus dem Bett getrieben hat. »Es war scheiße, was du vor vier Jahren abgezogen hast, Vanessa, und erwarte von mir nicht, dass ich dir das verzeihe. Aber ich verstehe es jetzt.«
»Das habe ich nicht«, gibt sie zu und greift sich, ohne zu fragen, mein Sektglas, das ich immer noch in der Hand halte. »Aber es freut mich, dass du es verstehst.«
Ich presse meine Lippen zusammen und wieder überkommt mich das Gefühl, wegrennen zu wollen. Aber Vanessa kennt mich. Vielleicht besser als ich mich selbst.
»Ich habe gekündigt«, fahre ich fort. »Ich arbeite nicht mehr für meinen Vater. Ich werde mir etwas eigenes suchen.«
Sie nimmt einen Schluck, wirft suchend einen Blick über ihre Schulter. Ihr jetziger Gatte hat uns genau im Blick. Es passt ihm offensichtlich nicht, dass ich hier bin. Wenigstens ein kleiner Erfolg heute Morgen.
»Mach das. Es wird dir helfen zu erkennen, was du eigentlich vom Leben willst! Du entschuldigst mich?«
Sie lächelt mich an. Diesmal aufrichtig und offen. Ich erwidere es, doch kurz bevor sie sich abwendet, beuge ich mich zu ihr hinunter und gebe ich einen Kuss auf die Wange. Erinnerungen durchfahren mich, alte Gefühle, aber diesmal lösen sie nichts mehr in mir aus.
»Danke!«, flüstere ich dicht an ihrem Ohr. »Und herzlichen Glückwunsch!«
Ich zwinkere ihr zu, als sie sich schließlich umdreht, und plötzlich fühle ich mich seltsam leicht. Bis ich daran denke, was der nächste Schritt ist.
Ich lasse die Kirche und die Hochzeitsgesellschaft hinter mir, ziehe meinen Mantel enger um mich und greife nach meinem Handy. Ich habe es gestern Abend so richtig verbockt. Aber ich habe mir ehrlich gesagt, keine großen Gedanken gemacht, was mich erwartet, als ich auf die Weihnachtsfeier gegangen bin. Ich wollte Max sehen, meinen Mitarbeitern auf Wiedersehen sagen, mit Zoe sprechen. Was mich überrascht hat, war ihre all umfassende Wut. Und ihr Ex-Freund.
Vanessas Worte kommen mir wieder in den Sinn. Es wird Zeit, dass ich erkenne, was ich im Leben will. Und eines will ich sicher: Zoe!
Ich wähle ihre Nummer, lausche dem monotonen Tuten des Freizeichens. Sie nimmt nicht ab. Fuck, ich habe ihr anscheinend doch schlimmer zugesetzt, als ich dachte. Dann also die harten Geschütze.

Zimtsternzauber: Tag 21

Wer die Wahl hat …

Zoe

»Was zur Hölle macht er hier?«
Der entgeisterte Gesichtsausdruck meiner besten Freundin könnte mich zum Schmunzeln bringen, wenn die ganze Sache nicht so verdammt vertrackt wäre.
»Er ist als meine Begleitung hier.«
Tinas schwarze Augenbrauen fahren nach oben und ich schwöre, dass sogar die Spitzen ihrer kurzen Haare irritiert aufzucken.
»Das ist nicht dein Ernst. Bitte sag mir, dass ich zu viele Cocktails getrunken habe und Oliver nicht dort vorne an der Theke steht. Und sich mit Max unterhält.«
»Was?« Erschrocken folge ich ihrem Blick. Mist! Mein »Wie-auch-immer-Ex«-Freund stößt in diesem Moment mit Max an. Dem Max, mit dem ich vor nicht einmal zwei Wochen ein Date hatte. Scheiße! Was hat mich nur dazu gebracht, ihn herzubringen?
»Also, warum ist er hier?« Ab und zu glaube ich echt, dass Tina Gedanken lesen kann.
»Er hat sich bei mir entschuldigt. Es tut ihm leid, was er getan hat. Und er vermisst mich.«
Tina sieht aus, als hätte ich ihr endgültig erklärt, dass ich verrückt bin. Und wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich auch so.
»Und das glaubst du ihm?«
Oh ja, das würde ich gerne! Wie oft habe ich mir in den letzten Wochen gewünscht, die Zeit zurückdrehen zu können und mein Leben mit Oliver wiederzuhaben. Aber dann denke ich wieder daran, was er mir angetan hat – vermutlich nicht zum ersten Mal – und ich fühle mich wahnsinnig naiv. Und verletzt. Und gedemütigt.
»Nein.« Ich greife nach meinem Mai Tai, der auf dem Stehtisch vor uns steht, und nehme einen tiefen Schluck.
Es ist Donnerstagabend und wir sind auf unsere Betriebsweihnachtsfeier. Die Agentur hat sich dieses Jahr nicht lumpen lassen und einen angesagten Club gemietet. Scheinwerfen zucken über die Tanzfläche, ein DJ legt die aktuellen Charts auf, während Tina und ich uns durch das Cocktailangebot trinken und Kanapees futtern. Oliver mitzunehmen war eine spontane Entscheidung. Er hat mir am Dienstagmorgen die Ohren vollgeheult und aus einer Laune heraus, habe ich ihn heute Mittag eingeladen. Wenn ich ihn mir allerdings jetzt betrachte, wie er sich bestens mit Max amüsiert, war das definitiv die falsche Entscheidung.
»Ich wollte einfach nicht alleine hier auftauchen.«
Ich brauche Tina nicht zu erklären warum. Sie weiß alles von unserem Trip nach New York. Zumindest alles von Cedrik und mir. Die Machenschaften der Nero Investment Group sowie Cedriks Vater habe ich mit keinem Wort erwähnt.
»Du weißt, dass er heute nicht im Büro war, daher glaube ich nicht, dass er hier auftaucht. Gerüchten zur Folge hat er hingeschmissen.«
Er. Cedrik.
Schmerz durchzuckt mich, will mich daran erinnern, dass da mehr ist, als die Leere in meinem Herzen, aber ich ertränke ihn mit dem nächsten Schluck Mai Tai. Heute Abend nicht. Heute Abend werde ich nicht an ihn denken.
»Und wenn schon. Das ist sein Problem.«
Meine Hand krallt sich um das kalte Glas. Tina weiß genau, dass ich das nur sage, weil ich nicht darüber sprechen will und nicht, weil es mich nicht interessiert. Denn natürlich tut es das. Jedes kleine Detail, jede Information … Rückfall! Noch ein Schluck!
»Habt ihr … habt ihr noch einmal miteinander gesprochen?« Tina meint es gut. Weh tut es trotzdem.
»Nein.«
»Zoe, ein Blinder kann sehen, dass du in ihn verknallt bist.«
Ich bedenke sie mit einem wütenden Blick. »Du weißt, was er zu mir gesagt hat. Da war nichts zwischen uns. Zumindest nichts Ernsthaftes.«
Tina presst ihre Lippen zusammen. Sie widerspricht mir nicht, allerdings sehe ich ihr deutlich an, dass sie anders darüber denkt. Aber das tut nichts zur Sache. Cedrik will mich nicht, das hat er mir klar gesagt. Und ich habe mir vorgenommen, nach vorne zu sehen. Bald ist Weihnachten und danach Silvester. Ein neues Jahr. Und meine Vorsätze sind diesmal eindeutig: eine neue Wohnung, ein neuer Job, ein neuer Mann.
»Guten Abend die Damen.«
Ich hebe meinen Blick, der sich in dem orangenen Cocktail verhakt hatte, und schaue in Max‘ hellblaue Augen.
»Hey!«
Oliver stellt sich neben mich, legt seinen Arm besitzergreifend um meine Taille. Ich trete einen Schritt zur Seite, weil mir das Platzhirschgetue zu viel ist, aber er greift nach, bis ich wie im Schreibstock eingeklemmt an ihm klebe.
»Hi Max!« Tina prostet ihm zu. Keine Sekunde später bemerke ich, wie sie sich unauffällig ein wenig näher an Max heran lehnt und ihn in ein Gespräch verwickelt.
»Du hast nette Kollegen.« Olivers Stimme dringt in mein Ohr, viel zu nah, als dass es mir angenehm wäre.
»Du kennst Tina«, entgegne ich genervt, immerhin ist sie meine beste Freundin. Sie hat Oliver in den letzten Jahren öfters gesehen und kann ihn bis heute nicht leiden.
»Natürlich.«
Das Lächeln auf seinen Lippen ist nicht echt. Ebenso wenig, wie der liebevolle Blick, den er mir jetzt zuwirft. Alles an mir schreit danach wegzurennen, ihn von mir zu drücken, aber ich tue es nicht.
»Willst du tanzen?«
Ein Seufzen entfährt mir. Es wäre vernünftig nach Hause zu fahren und die Sache mit Oliver ein für alle Mal zu beenden. Denn ich will nichts mehr von ihm. Das signalisieren mir mein Körper und auch mein Herz mehr als deutlich.
»Nein. Lass uns …« Ich breche ab, erstarre mitten im Satz. Kälte kriecht über meine Haut und gleichzeitig beginnt mein Herz zu rasen. Nein. Nein. Nein.
Graublaue Augen finden meine, mustern mich abschätzend und blitzen belustigt auf. Ich schlucke hart. Nein. Nicht hier, nicht heute, wo ich mich schon in Sicherheit wähnte.
»Lass uns tanzen!« Meine Stimme klingt Meilen weit entfernt und ich realisiere kaum, wie ich Olivers Hand greife und ihn regelrecht auf die Tanzfläche zerre.
Er folgt mir, ohne zu zögern, legt die Hände um meine Taille und gemeinsam beginnen wir uns hin uns her zu wiegen.
»Zoe, ich wollte über etwas mit dir sprechen.«
»Mmh.« Ich sehe ihn nicht an. Ich höre ihm noch nicht einmal richtig zu, da meine ganze Aufmerksamkeit auf Cedrik liegt, der sich an den Tisch zu Max und Tina gesellt hat. Er trägt eine dunkle Hose und ein weißes Hemd, seine Haare sind verwuschelt und insgesamt wirkt er überraschend entspannt. Nichts deutet darauf hin, dass er gekündigt hat, oder dass das Gespräch mit seinem Vater über die Nero Investment Group schlecht gelaufen wäre. Oder, dass es ihn in irgendeiner Weise mitgenommen hat, mir am Montagnachmittag das Herz zu brechen. Scheiße!
In diesem Moment lacht er, und obwohl ich das Geräusch durch die laute Musik um mich herum nicht hören kann, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Ich gönne ihm das Lachen nicht. Ich gönne ihm auch seine beschissene Gelassenheit nicht. Dafür hat er mich zu sehr verletzt.
»Du erinnerst dich sich an das kleine Chalet meiner Eltern in der Schweiz. Sie haben es über Silvester nicht vermietet und ich würde gerne mit dir dort hin. Um unseren Neuanfang zu feiern.«
Hände gleiten über meinen Rücken, landen auf meinem Po.
»Was?«
Energisch nehme ich ein wenig Abstand und löse Olivers Hände von meinem Hinterteil. Das geht das doch zu weit.
Er runzelt die Stirn. »Das Chalet? Silvester?«
Zur Hölle, ich habe keine Ahnung, was er gerade gesagt hat. Dafür bin ich mir Cedriks Blick, der jede meiner Bewegungen verfolgt, überdeutlich bewusst. Verdammt, was macht er hier? Er sollte nicht hier sein. Er sollte irgendwo in einem dunklen Keller verrotten, alleine, einsam, mit einem gebrochenen Herzen, so wie ich. Konzentrier dich Zoe, ermahne ich mich selbst, weil ich das dumpfe Gefühl habe, auf die nächste Katastrophe zuzusteuern.
»Oliver, es tut mir leid. Es war ein Fehler, dich heute mitzunehmen, das mit uns wird nichts mehr.« Wow, seit wann bin ich so vernünftig?
Er lässt mich los. Verzieht sein Gesicht zu einer wütenden Fratze und es tritt wieder der Ex-Freund zu Tage, der mich am 18. Oktober aus der Wohnung geworfen hat.
»Ist es wegen ihm?« Mit einem Nicken deutet er in Richtung Tisch. Ob er jetzt Max oder Cedrik meint, kann ich nicht sagen, da beide noch bei Tina am Tisch stehen. Aber dass er den Grund für unsere Trennung nicht bei sich sucht, sondern einen anderen Mann dafür verantwortlich macht, bringt das Fass zum Überlaufen. Wut ballt sich in meinem Magen zusammen, vermischt sich mit der Enttäuschung und dem Schmerz der gesamten letzten Wochen, und meine ganze Frustration drängt an die Oberfläche.
»Hast du auch mal eine Sekunde darüber nachgedacht, wie es mir geht? Was du mir …« Weiter komme ich nicht. Und das ist auch besser so, weil ich ihm sonst vor all meinen Arbeitskollegen – und Cedrik – eine Szene gemacht hätte.
»Darf ich abklatschen?«
Eine dunkle Stimme lässt mich innehalten. Olivers Augen sprühen vor Wut.
»Ja!« Bevor er antworten kann, drehe ich mich zu Max herum.
Ich lasse Oliver einfach stehen, schere mich nicht länger darum, ob er hinter mir stehen bleibt oder verschwindet. Ich reiche Max meine Hand und er zieht mich außer Reichweite.
»Es sah aus, als ob er Hilfe gebrauchen könnte.« Er, nicht ich.
»Wieso er?«
Der DJ startet mit Rocking around the Christmas Tree die Weihnachtsoffensive.
Max‘ Mundwinkeln zucken amüsiert und seine hellblauen Augen blitzen mich an. »Weil du ihn vermutlich gleich K.O. geschlagen hättest.«
Ich schnaube entrüstet. »Er hätte es verdient.«
»Ohne Zweifel.« Weiß er, was Oliver getan hat? Hat Tina ihm etwas erzählt? Oder Cedrik? Allein der Gedanke, dass Cedrik mit ihm über mich gesprochen hat, jagt einen Schneesturm durch meinen Bauch und ich kann nicht verhindern, erneut einen Blick in seine Richtung zu werfen. Hat er nach Montag doch noch einmal an mich gedacht?
»Umpf«, entfährt es mir frustriert und ich zwinge mich, wieder Max anzusehen. Das alles führt zu nichts als Ärger.
Max grinst mich verschwörerisch an, als wüsste er genau, was ich denke.
»Hat Cedrik tatsächlich gekündigt?«, frage ich ihn, da sowieso offensichtlich ist, dass ich an ihn gedacht habe.
»Das musst du ihn schon selbst fragen.«
Ein neues Lied beginnt und obwohl All I Want for Christmas is you eher rockig ist, zieht Max mich näher an sich heran und legt seine Hände auf meinen Rücken. Direkt oberhalb meines Pos, aber doch zu tief als das keine Absicht dahinter wäre. »So, dann wollten wir das Raubtier mal auf seine Beute aufmerksam machen.«
Bitte?
»Bezeichnest du mich gerade als Beute?« Ich hebe meinen Kopf in seine Richtung. Max‘ Gesicht ist direkt vor meinem und sein Aftershave dringt in meine Nase.
»Jep. Und jetzt lass uns eine Show liefern, Baby!« Eine Show? Für wen?
Ich komme nicht mehr dazu, zu protestieren. Seine Hände fahren meinen Rücken hinauf, während er seine Hüften gefährlich nahe an mein Becken drückt. Max bewegt sich im Takt der Musik, dreht mich auf die Tanzfläche, zieht mich wieder zu sich. Meine Hände landen wie von selbst auf seiner muskulösen Brust, fahren über seinen flachen Bauch. Max ist ohne Zweifel attraktiv und hat seinen ganz eigenen Charme. Und ich wäre keine Frau, wenn ich das nicht bemerken würde. Sein Blick nimmt mich ein, hellblaue Augen, die fröhlich blitzen und jede Menge Spaß versprechen. Mein Atem stockt, als er seinen Kopf beugt und seine Wange an meine legt.
»Vorsicht Zoe! Wir sollten Cedrik nicht zu sehr reizen. … Ist Tina eigentlich Single?«
Sein Atem kitzelt mein Ohr, rennt wie ein heißer Schauer über meine Haut, dennoch muss ich schmunzeln.
»Ist sie«, flüstere ich zurück, als sich Max langsam von mir löst. Seine Freude ist ansteckend und er lenkt mich ein wenig von den nervigen Dingen – oder Personen – heute Abend ab.
Max grinst mich frech an und zwinkert. »Lass uns zum Tisch zurückgehen. Ich glaube, sonst kassiere ich heute Abend noch einen rechten Haken.«
Ich folge zögernd, weil Cedrik immer noch neben Tina an unserem Tisch steht. Dann gebe ich mir einen Ruck. Ich lasse mir doch von dem Arschloch nicht den Abend ruinieren!
Allerdings beachtet mich Cedrik gar nicht, als wir wieder zu den anderen stoßen, daher greife ich zunächst nach meinem halbvollen Cocktailglas und nehme einen Schluck. Das süße Getränk rinnt kalt meine Kehle hinab, während sich der Rum sofort warm in meinem Körper verteilt. Ich liebe Mai Tais!
Als jemand dicht neben mich tritt, versteife ich mich trotzdem sofort.
»Zoe.«
Nein. Nein. Nein.
Ich bin wütend auf ihn.
Ich hasse ihn.
Er hat mir wehgetan, mehr als einmal.
Ich bin in ihn verliebt.
Verzweifelt beobachte ich das Zucken der Scheinwerfer auf dem Fußboden, bis sich zwei schwarze Schuhe in mein Blickfeld schieben. »Hast du es so nötig?«
Erschrocken reiße ich den Blick hoch. Ein Sturm tobt in seinen Cedriks Augen, lässt sie dunkler wirken, als sie sind.
»Wie bitte?« Enttäuschung zerrt an meinen Nerven, Verzweiflung. Er steht so nahe vor mir, dass ich nur die Hand ausstrecken müsste, um ihn zu berühren. Dumpf dringen Wortfetzen eines Gespräches von Tina und Max zu mir herüber, aber ich folge ihnen nicht. Meine ganze Aufmerksamkeit ist gefesselt von dem Mann vor mir.
»Du willst ernsthaft zu deinem Ex-Freund zurück? Ein wenig mehr Rückgrat hätte ich dir schon zugetraut.«
Tränen schießen mir in die Augen und meine Hände ballen sich zu Fäusten. Ich bin so wütend, dass ich das Gefühl habe, gleich zu platzen.
»Und dann diese Nummer mit Max eben.« Er knurrt. Und klingt beinahe eifersüchtig. Aber warum? Er hat mir erklärt, dass zwischen uns nicht laufen wird, dass er weder Nerv noch Zeit für eine Beziehung hat.
»Was soll das, Zoe?«
Das Atmen fällt mir schwer, ich bekomme keine Luft mehr. Verzweifelt schließe ich die Augen, versuche, meine aufgebrachten Gefühle zu kontrollieren. Aber Cedriks Nähe haut mich um. Meine Haut kribbelt, kann sich nicht entscheiden, ob vor Verlangen oder Wut. Denn beides löst dieser verdammte Kerl in mir aus.
»Ich habe einen netten Abend, mehr nicht.« Ha, ha, ha! Nicht einmal ich glaube mir meine Worte. Und Cedrik tut es offensichtlich ebenfalls nicht.
Er tritt einen Schritt näher an mich heran, bis kein beschissenes Blatt Papier mehr zwischen uns passt. Dennoch berührt er mich immer noch nicht.
Ich starre auf sein weißes Hemd, wandere mit meinen Augen langsam die kleinen Plastikknöpfe hinauf und die Tatsache, dass ich ganz genau weiß, was hinter dem weißen Stoff liegt, hilft mir in diesem Moment keinen Schritt weiter. Ganz im Gegenteil. Meine Kehle wird eng, mein Mund ist staubtrocken.
»Ich glaube dir kein Wort.«
Die Zeit bleibt stehen, als seine Augen meine treffen. Um uns herum wird es still, obwohl immer noch Have yourself a merry little Christmas im Hintergrund dröhnt, Tina und Max mit uns am Tisch stehen, und mindestens dreißig Kollegen um uns herum tanzen.
Eine Berührung an der Wange lässt mich zusammenzucken, bevor heißes Feuer über meine Haut rennt. Mein Kopf ist leer und mein Herz hat eindeutig aufgehört zu schlagen. Ich spüre nur noch Cedriks Hand auf meiner Wange, sehe nur noch seine blaugrauen Augen, fühle seinen Atem auf meinen Lippen, als er sich zu mir beugt.
»Du bist in mich verliebt, Zoe. Nur deshalb veranstaltest du so ein Theater.«
Ich halte inne. Und Cedriks Arroganz, die ich seit meiner Schulzeit so verteufelt habe, pflügt wie eine Axt durch meine verwirrten Gefühle. Er ist ein Jäger, ein Raubtier, das gerade dabei ist, seine Beute zu reißen. Hier geht es überhaupt nicht um mich.
»Du verdammtes Arschloch!«
Cedrik lacht leise. »Vielleicht.« Seine Hand liegt immer noch auf meiner Wange und mit seinem Daumen streichelt er sanft über meine Haut. Er spielt mit mir. Wie er es schon sein ganzes Leben lang getan hat. »Aber ich habe die letzten Tage viel über mich gelernt. Und da ist eine Sache, die ich noch nicht ganz begreife.«
Ich zittere vor unterdrückter Wut. Auf ihn, auf mich, auf Oliver und jede einzelne verlorene Träne, die ich in den letzten Wochen geweint habe. Erst jetzt bemerke ich, dass meine Hände auf Cedriks Brust liegen. Aber anstatt ihn von mir zu drücken, kralle ich mich an ihm fest.
»Kannst du mir mal verraten, was du da tust, du Schlampe?«
Eine wütende Stimme direkt hinter mir bringt unsere Blase zum Platzen. Eine Hand zerrt besitzergreifend an meiner Schulter, gräbt sich in meine Haut und tut mir weh.
Ruckartig löst sich Cedrik von mir. In seinem Gesicht zuckt etwas auf, bevor er seinen Mund zu einem schiefen Grinsen verzieht. Aber ich beachte ihn nicht länger, sondern drehe mich zu Oliver herum, hebe meine Hand und gebe ihm eine schallende Ohrfeige.